Cloaked traveler sitting on tree roots beneath a starry night sky

Kapitel 32: Unter trotziger Krone

Hallo zusammen, allen grade wahnwitzig widrigen Lebensumständen zum Trotz habe ich dieses Kapitel beendet und ich hoffe, ihr habt Freude daran.

Dunkel waren die Augenringe, doch seine Miene war gefasst,

Grade sein Rücken, die Haltung entspannt, der Sitz auf den F ersen keine Last.

Die Lider geschlossen, so blickt’ er nach innen, um endlich Hoheit zu gewinnen,

Über die eigene Finsternis.

Er ruhte unter einem Baume

Auf einem Felsen ferner des Sees, der seine einsame Krone gewaltig

Trotzig dem Himmel entgegenstreckte. Exponiert und einsam und faltig

Hat noch keines Blitzes Kraft diesen Riesen zum Fallen gebracht.

Trotzig, heißt es, sind alle Träume, die des Baumes Wachstum speisen.

Zornig ist sein Gemüt von Natur, weshalb er völlig verbohrt und stur

Jede Gesellschaft sogleich unterband und raumgreifend auf dem Felsen stand.

Den alten Riesen nicht zu nähren mit eigener Schatten düsterem Fluss,

Zugleich seines Brütens sich zu erwehren, war Dantes Mühsal nun zum Schluss.

Ein eisiges Wölkchen schwebte am Felsen gemütlich empor und ließ sich dort

Mit einigem Abstand zu Dante am Baum auf einem Fleckchen Erde nieder.

Ein Wasserlauf mit silbernen Haaren sprudelte etwas weiter entfernt

Kaum hörbar aus dem Felsen hervor, gesellte sich dann zum Wölkchen und Sterne

Spiegelten sich auf seinem Haupt. Rankenwerk brach aus der Erde.

Seinen Weg hat’s sich durch Fels und Stein und zornige Wurzeln gegraben.

Knotige Miene nahm langsam gemessen seinen Platz im Kreise ein.

Seegras folgte dem Wasserlauf und völlig grün und fehl am Platze –

Für Augen zumindest, die jede Natur entgeistert nur und geordnet betrachten –

Setzte sich die wiegende Nymphe den anderen bei und lauschte und schwieg.

Immer mehr der Nymphen kamen und setzten sich um Dante im Kreis.

Sie lauschten, schwiegen, warteten stumm. Auf was genau nun? Ach, wer weiß?

Dante schlug die Augen auf, gewahrte im funkelnden Sternenlicht

Der stummen Nymphen weiten Ring und wie sie ihn erwartungsvoll

Betrachteten – beharrlich schweigend. Dass sie kämen, wusste er nicht,

Warum sie kamen, genau so wenig. Erwartungen kannt’ er am wenigsten.

Doch was er nicht wusste, das fühlte er. Tief im Innern war ihm gewärtig,

Was zu tun war, damit, wofür er vormals in den See geworfen,

Sich erfüllte, er seinen Weg beschreiten konnte nach Théudísk.

»Musen des Waldes, Schirmerinnen, oh rettende Geister

Klärenden Weihers in Wortánnas wiegenden Weiten.

Unter Zorn und Sternenlicht und nächtlichem Blauton

Mondloser Nacht, wenn blasser Kälte greifender Schweifschlag

Kündet des Winters schon stetiges Nahen ohn’ jeglichen Aufschub,

Wirkt und waltet mit mir im Kreise wahrhaftiger Worte

Macht und Stärke, das bleierne Schweigen berstend zu brechen,

Kämpfern des Schweigens die trotzige Stirn hier singend zu bieten!

Wolfene Worte, so wonnehaft, nicht wollt’ ich mir finden!

Ängstlich gelähmt vom scheußlichen Schrecken, den schlotternd ich ließ. Ach!

Er jedoch verließ mich nie, abscheulicher Knoten

Lastend in mir aus kneifender Angst so knorrig geschaffen.

Tod Theóphanús, der allumkränzten tadellosen,

Augenblick, da Augenweide so unwiderruflich

Dorrte und zugrunde ging! Ich hab ihn gesehen!«

            » Tod Theóphanús, der allumkränzten tadellosen,

Augenblick, da Augenweide so unwiderruflich

Dorrte und zugrunde ging! Er hat ihn gesehen!«

            »Oh, zu früh verging am Baume blühendes Leben!

Meine Seele war dieser Last gewachsen bis da nicht!

Angst verspürt’ ich gar so tief vor bleiernder Trauer,

Jeglichen Blick in meinen Kern nur gänzlich vermeidend,

Brütend jedoch in trüglichem Schatten der eigenen Ängste.«

»Jeglichen Blick in seinen Kern nur gänzlich vermeidend,

Brütend jedoch in trüglichem Schatten der eigenen Ängste.«

            »Tod sah ich, bevor ich floh die diest’ligen Hügel,

Tod sah ich in höllischer Klamm: Vier Hexen und Hexer,

Aufgedunsen, ins Tiefe gestürzt, dem Wasserlaufe

Einzig kund nur, bis ich gefallen, gerettet allein durch

Leiber, die noch unbestattet verwesten am Grunde!

Rennend wollt’ ich die fauligen Blicke völlig vergessen!

Schändlich floh ich verwesende Leichen und ohne zu denken

Nahm ich den Mantel und kleidete mich und dankte es nicht mal!«

            » Schändlich floh er verwesende Leichen und ohne zu denken

Nahm er den Mantel und kleidete sich und dankte es nicht mal!«

            »Ich sah das Schweigen, das schleichende Schweigen, schauriges Schweigen!

Kutten am Feuer, die Flamme verstummt im brausenden Sturme!

Banne werfend von grausamer Hand und grässlichem Willen

Schlugen sie mich, verfluchten sie mich und raubten mir –«

An diesem Punkt der Rezitation verhinderte der heischende Bann

Weiterzusprechen und sich zu befreien. Doch Dante war dort nicht allein.

Während die Nymphen im weiten Kreise seine Worte wiedergaben,

Sich wiegten und als geistreicher Chor die Worte mit ihrem Echo labten,

Bündelten sich die zahlreichen Stimmen zu einer einz’gen von großer Macht.

Wo einzelner Wille versagte, wurd’ Kraft der vielen ein größerer Wille geboren.

            »Wille zur Tat und das Wissen ums Sein, die geformte Geschichte

Deiner Selbst und die wolfenen Worte wahrhaftigen Wandels

Raubten sie aus deinem Geiste. Auferstanden –«

» – Aus Ruinen erhebe ich trotzend wetterndes Haupte!

Muss ich auch waten durch zäher Banne haftende Leimbrei,

Flügel werden mir wachsen! Mit Schwingen unendlichen Strebens

Gleit’ ich hinauf und stets freier im Geiste, der Güte gewiss,

Die mir zuteil von so vielen Seiten durch helfende Hand,

Will ich selbst mit wolfenen Worten wahrhaftigen Wandels,

Wer ich bin und was ich kann, mir stetig erzählen;

Erzähltes und Gewusstes jedoch auf nimmer vergessen!«

»Will er selbst mit wolfenen Worten wahrhaftigen Wandels,

Wer er ist und was er kann, sich stetig erzählen;

Erzähltes und Gewusstes jedoch auf nimmer vergessen!«

Stimme, Wort und Wille vereint erhoben sich zum nachtblauen Himmel

Und riefen nach dem Sternenlicht. Des’ Antwort kam und zur Erde gerichtet

Leuchteten die Sterne heller und bündelten ihr fernes Licht

Herab. Aus heiterem Himmel bricht aus silbernem Sternenlicht ein Blitz,

Schlägt in des trotzigen Baumes Krone, gleißt durch den Stamm und

die Wurzeln und ohne

Schwächer zu werden stieg aus Holz und Boden in einzelnen Punkten das Licht

Und schuf ein Sternenzelt, das nicht viel größer war als der einsame Fels

Und höher nicht als die zornige Esche: Spiegel des Kosmos’ im weiten Wortánna!

Die Zwischenräume waren gefüllt mit nachtblauem Schatten des Himmels Weiten

Und jede der Nymphen erstrahlte darin, selbst nun Gestirn, das Dante umringt.

Sie summten seine Worte weiter und holten nun von irgendwo her

Den grauen Mantel, den er bisher nur abgelegt und nicht mehr getragen.

Sie zogen ihn durch den himmlischen Schatten und

Nachtblau, Schwarz und Anthrazit

Und Sternensilber hafteten sich dem Mantel an und zogen dann

Ein in die Fasern. Die Nymphen sie woben den Schirm des

Kosmos, des Himmels Trost

Für irdenes Leiden und gegen’s Vergessen der eigenen Stärke und Werte in Not.

Und angelegt, da hoben sich zwei verworrene Banne von seinem Geist.

Frei vom fremd- und selbstbestimmten Schweigen wurden an diesem Ort 

Singende Stimme und wirkender Wille und Wunder erschaffendes, treffendes Wort.


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