Kapitel 14: Knafrák

Hallo zusammen, hier ist das zweite Kapitel des Jahres 2026. Es wird laut und herrisch und ich glaube, hier und da ist die Aufnahme leider etwas übersteuert, weil ich vergaß, die automatische Pegelsteuerung anzuschalten. Das hole ich dann beim nächsten Mal nach. Nun viel Spaß mit Knafrák.

»Knirz, knirsch, Karfunkel! Wer hatt sein eigenes Bbuch im Beutel nicht, wo

Es bbaumeln sollte früh bis sppät vom Gürtel herab, gebbändigt, beherrrscht?!«

Die donnernde Stimme so tief wie ein Berg ließ Dante erstarren im Angesicht

Von funkelnden Smaragden, die aus kantigem Granitgesicht

Ihn böse mustern. Massig ist der ganze Körper aus Gestein,

Basalt und Porphyr und aus Erzen schimmern pulsierende Adern im Fels.

Dante bändigt der Schrecken die Stimme. Was beim Demiurgen war das?

Ohne zu wissen, wie ihm geschah, so hat er noch unter smaragdenem Funkeln,

Den Muttrank entkorkt, die Flasche geleert und das wutdurchfurchte Felsengesicht

Nicht einen Moment aus den Augen gelassen.

                                                                                   »Ihr Menschen seid doch alle gleich!

Immerzu wollt ihr beherrschen und schaffen und könnt dann die eigenen Gaben

nicht raffen,

Wenn sie euch droh’n beseelt zu entlaufen! Im Angesicht eines wahrhaftigen Trolls

Verlassen die Geister euch alle in Scharen, sodass ihr, um schwindende Fassung

zu wahren,

Mit diesem Gesöff geborgten Mut euch eintrichtern müsst. Wozú ist das gut?

Ich bin Knafrák der Wächter der Stätte und wenn ich nicht gehandelt hätte,

Zur rechten Zeit dein Büchlein zu bannen, dann bögen vom Rauschen des Turms

sich die Tannen

Selbst in den Hügeln im zugigen Norden!«

                                                                       »Ich…ich…verzeiht, oh Knafrák.

Ich wusst’ nicht, dass es laufen kann.«

                                                                       »Potzblitz! Ist das dein Buch nicht?

Du wusstest es nicht?!«

                                               »Ja, leider nicht.«

                                                                                   »Ja, knirgelknark, bis du ein Wicht!«

»Ich habe das Buch geschaffen nicht! Mir wurde es nur anvertraut!

Verdammt! Was glaubst – Ich würde nie ein Buch verlorener Sprachen verfassen,

Deren keine ich beherrsche! – Egal, wie alt der Stein sein mag,

Aus dem dein Körper geschaffen ist, wie lange schon Regen an dir nagt:

Siebzehn bin ich und ich habe in meinem Leben keinen Troll

Zaubernd, schnaubend, polternd, grummelnd und das ›Wilde Herz‹ geseh’n!

Verzeih, wenn ich mit der Fassung ringe und nicht ergriffen und tief beseelt

Ein Steinlied träller, Knafrák zu Ehren! Doch dank’ ich dir, den Zauber zu wehren,

Den das Buch in Gang gesetzt.« Vor lauter Ärger schnaufte Dante,

Vergaß dabei, dass er den Trank grad eben noch gebraucht hat, um

Den Mund zu öffnen und zu reden. Gefasster schien der Troll zu sein,

Die Widerworte ehrlich achtend. Der Zorn verschwand aus dem Blick

Und Strenge nur und Vorbehalt hielt Einzug in den grünen Augen.

            »Er kann ja reden, immerhin. Dann war der Trank ja nicht vergebens,

Auch wenn ich fünfmal mehr Respekt vor dir gehabt hätt’, wenn du es

Vermöchtest ohne Trank zu reden. Was machst du auch an dieser Stätte,

Die verwaist aus gutem Grund und Flößer nicht einmal betreten,

Wenn sie an dem Stege rasten. Doch du marschierst hier einfach durch

Mit Gaben, die die Mächte spüren, die gefesselt und gebannt,

Doch rastlos nimmer unten weilen.«

                                                                       »Die Geräusche waren nicht

Zufall nur, doch etwas hat verursacht sie und sie entfacht?«

            »Freilich, ja und dass es nicht die Bande abwirft, die angelegt

Von großer Macht und findiger Hand, das ist der Grund, dass ich hier weile.«

            »Sag, warum erzählst du das? Sollte ich das wirklich wissen?«

»Glaube mir, ich würd’ es lieber nicht erzählen und verschweigen,

Doch die, die dieses Buch einst schrieb, entschied dadurch, dass du’s bekamst,

Dass irgendwann du wissen wirst, was unterm Turm versiegelt liegt.«

»Du bist sehr offen. Sagst du das, weil du mich gleich zermalmen wirst?«

»Wahrlich, könnt’ ich. Doch das Buch an dieser Stätte zu bewahren,

Wäre übler tausendfach. Drum ist es besser, dass du gehst

Und auch schleunigst mit dir nimmst, was Gang und Willen hier entfaltet.«

Dante hob das Buch vom Boden und band an es den Gürtel wieder.

Nichts, rein gar nichts deutete auf dessen Eigenleben hin.

»Du gibst auch zu, dass dieses Buch dein eig’nes Können übersteigt?«

Dante war verblüfft, da Sældra Fragen mehr als Antwort bot,

Dass dieser Troll in den Ruinen so offen über alles sprach.

»Übersteigen nicht, doch brauch’ ich meine Macht für and’re Dinge.

Und dieses Buch ist stark genug, um mich bald zu überfordern.«

            »Du kanntest sie, die Hexe, die das Buch geschrieben hat, nicht wahr?«

            »Ich kannte sie, doch werde ich darüber nicht mehr weiter reden.«

Das sprach er so bestimmt, so hart, mit finsteren Furchen im Gesicht,

Dass Dante der Schrecken wieder erschlich, den der Muttrank unterdrückte.

Er musterte den Steintroll stumm. Er war klein und auch gedrungen,

Doch raumumgreifend, höchst massiv. Der Boden unter breiten Füßen

Schien zu ächzen, doch nicht das Gewicht des Körpers, sondern eher

Seine Macht über diesen Ort verlieh ihm Würde, schwere Würde.

Knafrák war Stein gewordenes Wort. Zaubermacht und gravitas.

»Auf denn! Los! Was stehst du denn vom Donner gerührt noch immer rum?

Husch hinaus, nach Süden weiter, der Weg zum Schloss ist noch sehr weit!«

Das kam so unvermittelt schnell, so launisch wie eine windige Bö,

Dass Dante merklich zusammenzuckte. Ein Fels in der Brandung war er nicht.

Knafrák lenkte seine schweren Schritte den Hügel hinab, nach Süden weiter.

Dante folgte beflissentlich. Nicht wollte er den Steintroll reizen.

Doch Fragen, Fragen türmten sich in Dantes Gemüt bis in die Wolken.

Wóher kannte nur Knafrák Theóphanu? Sie hatte nie

Von einem Troll erzählt. Sie hatte, dachte er darüber nach,

Eigentlich nie von irgendwas aus ihrer Vergangenheit erzählt.

Einmal nur, ein einz’ges Mal, als Dante abends bei ihr klopfte,

Um ein Buch bei ihr zu lesen, hatte sie ihm aufgemacht.

Und ihr Gesicht, ihrer Augen Blick, war hart und leer und regungslos.

            ›Heute, Dante, heute nicht. Die Geister der Vergangenheit

Lassen mich nicht los. Drum, bitte, lies allein und lasse mich.‹

Dante hatte nichts gesagt darauf und wortlos war er dann

Davon geschlichen. Er wusste nicht, wie mit umgehen, es flatterten

Des Mundes Winkel, ein Kloß im Hals verleidete das Schlucken ihm,

Ein Knoten war in seiner Brust und Tränen quollen bald hervor,

Wie er hinterm steinernen Troll dahin schlich in der Mittagssonn’.

»Potzblitz, schneller! Schleich nicht so! So kommst du ja hier nie heraus!«,

Rüttelte Knafrák ihn wach. Er straffte Schultern, Rücken, Schritt,

Schoss auf zu ihm, der schwer beherzt zum südlichen Rand der Stätte schritt.

Die Stätte war, nachdem Knafrák den Zauber ausgesprochen hatte,

Gespenstisch still. Kein Klicken mehr, kein Kullern, kein Knacken, kein

Knirschen, nur

Schritte aus Stein und Schritte aus Leder und Schweigen in beider Angesicht.

Warúm wollt’ er von ihr nicht sprechen? War es ein Geheimnis, das

Sie zu wahren beide schworen vormals einst vor ihrer Zeit

In ›Turm‹, wo Dante viel zu schnell Theóphanu dorthin verlor,

Wohin er ihr nicht folgen konnte? Längst verdrängte Bilder stiegen

Garstig fauchend in Dante auf. Malmender Strom der Finsternis, 

Der Übel schluckt und neu gebiert: Uneinsehbar ist dein Werk

Und der Zeitpunkt deines Wirkens schlechter noch vorherzusagen.

Blondes Haar im Regen verklebt, erloschenes Licht in ihren Augen!

»Knirz, knirsch, knarfunkel! Du trottest, als wärst du halb im Traum gefangen!

Reiß zusammen dich und halte Schritt mit mir, ich kann das Buch

Nicht ewig bannen mit Wort und Willen und seinen Drang, zu rennen, stillen,

Während du im Gehen schläfst! Du musst die Stätte schnell verlassen!

Bring’ eine Meile hinter dich, dann wird das Buch die Spur verlier’n.«,

Rüttelte Knafrák ihn wach. Er straffte Schultern, Rücken, Schritt,

Schoss auf zu ihm, der schwer beherzt zum südlichen Rand der Stätte schritt.

Und fiel zurück, denn Frage drei erschien ihm schon am Horizont

Eines Geistes, der die Dinge, die geschahen, immer schlechter

Zu ordnen noch im Stande war. Was lag gebannt in diesem Turm,

Machte Geräusche allenthalben und ließ das Buch so resonieren?

Was wollte das Buch im ›Wilden Herzen‹? Was wollte, die das Buch einst schrieb?

Was hatte nur Theóphanu mit Dante und mit diesem Buch

Geplant, gewusst und nie erzählt? Ein Knoten kam in seine Brust,

Trauer, die zu Wut geworden, stieg auf in ihm und brannte heiß.

»Wenn du stampfst wie im Versuch, den Boden mit deinen Stiefeln zu löchern,

Wirst du auch nicht schneller werden. Heidenei, bist du ein Wicht!

Schluck mal runter, was du hast, und schreite aus, befreie mich

Von dir, vom Buch und bleibe möglichst fern von hier!«. So sprach Knafrák

Als die letzten Mauerreste hinter ihnen verblieben waren.

»Ich weiß nicht, was Theóphanu an Plänen für dich ausgeheckt.

Jedoch zum Schloss ist es noch weit und sicherlich sehr wenig Zeit

Schenkt der Herbst dir, der schon weit vorangeschritten ist.

Doch kopflos, wahrlich, eile nicht durchs wilde Herz Ausóniens.

Nicht alle Trolle sind wie ich! Und hüte vor den Greifen dich!«

2 Antworten zu „Kapitel 14: Knafrák“

  1. Avatar von Valeria Politino
    Valeria Politino

    so viele Fragen! Ich liebe die Alliteration in Knafráks Sprache :)

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    1. Ich hoffe nur, ich kann auf all diese Fragen auch irgendwann Rede und Antwort stehen ^^ Ich freue mich, dass dir Knafráks polternder Duktus gefällt ;)

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