Teil 2: Auf dem Weg nach Théudisk; Kapitel 8: Tod in der klamm

Mit diesem Kapitel beginnt der zweite Teil meines Epos. Keine Sorge. Dass der erste Teil so kurz war, heißt nicht, dass das Epos schnell auserzählt sein würde. Es war für mich nur einfach sinnig, die Teile nach ihren Handlungsorten zu trennen. Dante beginnt also seine Reise und stößt schneller als gedacht auf Hindernisse…

Dante konnte gut im Dunkeln, wenn der and’ren Blick versagt,

Sehen, blicken, schau’n, betrachten, was auf seinen Wegen lag.

Die Nacht war nicht der Feind der Menschen, die sie gerne dafür achten,

Da das Licht fehlt und der Schrecken, den sie sahen, wenn sie wachten,

In die Schwärze wie auf Leinwand gepinselt und geworfen wird

Mit den grellsten Farbenmassen, die zur Leinwand gar nicht passen.

Die Nacht, sie mindert nur die Reize, ist dem Tageslicht die Beize,

Die den Ton nur dimmt, dem Auge den Überfluss an Farbe nimmt,

Damit es ruhen kann und blicken, den Sehsinn auf die Reise schicken,

Die’s Innere nicht das Äußere schaut, erlaubt im Dunkeln Halt zu finden.

Blinden Auges sich besinnen, dazu dient dem Menschen die

Nacht, des Tages Heilerin. Die Ruhe, das ist ihre Macht.

Geübten Fußes schritt er aus, vertrauend auf sein Sehvermögen,

Wissend, dass er diese Hügel schon sehr oft, so oft erlaufen

Und kreuz und quer durchmessen hatte, dass er beinah’ jeden Stein,

Jeden Baum mit allen Namen ohne Zaudern rufen könnte.

Die hohe Kiefer, die stand dort, die andre Bäume überragte.

Von dort ging es direkt nach Süden auf dem Höhenweg, der unter

Schroffem Hügelkamm verlief. An einer Stelle konnte man,

Dort, wo eine alte Eibe am Wegesrand die Wurzeln reckte,

Sehr gut auf den tiefen Schnitt im Hügelkamm zur Linken blicken.

Vorsicht war ab da geboten, denn der Schnitt wurd’ schnell zur Klamm,

Die das Wasser vieler Jahre rein gefressen hat und steil

Gings hinab dort klafterweise ohne Hoffnung, weich zu fallen.

Die Eibe nur, die durft’ er nicht verwechseln mit der Eberesche.

Diese nämlich stand viel dichter bei der Höllenklamm, sodass

Die Distanz falsch einzuschätzen, leider viel zu einfach war.

Außerdem noch trugen beide Bäume meist um diese Zeit

Rote Früchte, rund und beerig, dass im Dunkeln schwer zu sagen,

Sondern eher zu fragen war, welchen Baum er rechts nun sah.

Immerhin ließ sich das Wasser in der Klamm gut rauschen hören,

Sollte mal das Mondeslicht so wie jetzt von einer Wolke

Ganz verdeckt sein, dass auch Dante weniger im Dunkeln sah.

Ja, da rauscht es schon, doch – warte! – könnt’ das nicht der Wind auch sein,

Der anhob durch die Baumeskronen zu fegen wie ein übler Geist?

War das rechts nun seine Eibe oder doch die Eberesche?

Rauschte durch die Klamm der Fluss oder nur der Wind im Dach

Der Bäume, die um Dante standen? Lag da vor ihm was am Boden?

Er stolperte, als eine Wurzel zu hoch vom Boden weg sich reckte

Und fiel vornüber mit der Nase fast auf etwas Weiches stoßend.

Sah das aus wie eine Hand? Schreck! Das war es! Menschenhand!

Abgehackt und schwarz gebrannt, vertrocknend und schon halb verwesend.

Mit einem Satz sprang Dante auf. Er schrie vor Grau’n und achtete kaum,

Ob Esch’, ob Eibe nebst ihm war und hechtete – oh böser Traum! –,

Trat ins Leere und er fiel klafterweise in die Klamm

Ohne Hoffnung, weich zu fallen, wo wilde Wasser donnernd schallen.

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2 Antworten zu „Teil 2: Auf dem Weg nach Théudisk; Kapitel 8: Tod in der klamm“

  1. Avatar von Valeria Politino

    Das ist das wörtlichste „Cliffhanger“, das ich je gelesen habe ;)

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