Kapitel 7: Aufbruch

Die kürzesten Kapitel sind ja oftmals die folgenreichsten. So auch hier.

Der Streit ist zwar beendet worden, aber er war nicht gelöst.

Der Vorwurf stand im Raum noch stets, Dante würde Unglück bringen,

Wenn nicht gar besessen sein von bösen Geistern aus dem Wald.

Isla suchte das Gelände nach Spuren ab von Wölfen oder 

Wenigstens entlauf’nen Hunden. Finden aber konnt’ sie nichts.

Érin zeigte Dante offen ihre kalte Schulter und

Bat, dass er den Schafen fern nur bliebe. Keine Worte sollt’

Er äußern, denen irgendwie etwas wie ein Zauber inne

Wohnen könnte und den Schrecken wieder in die Herde brachte.

Das Lächelns Quinns ist schmal geworden, schüchtern und von Furcht befallen,

Wenn Dante ihr begegnete. Oven brummte ihn nur an.

Furcht war’s nicht, die ihn bewohnte. Grimmige Entschlossenheit

War es, wenn er Recht behielt, alle Übel abzuwarten,

Sich dem Schicksal zu ergeben, wie es ihn ereilen sollte.

Lochlan mied das Thema gar, wenn’s nur irgend möglich war,

Unterband die Diskussion, sollt’ sie einmal darauf fallen.

Schlimmer aber noch als alles war bei weitem Ribbalt nur.

Der versuchte zu vermitteln, den Verruf, den Dante litt,

Auszumerzen und zu bessern. Doch immer, wenn er das versuchte,

Machte er es nur noch schlimmer. Wenn der and’re wirklich glaubte,

Dass Dante nicht besessen war und wirklich keine Zauber übte,

Sagte er so etwas wie: ›Er tut sein Bestes, um sein Pech

Abzuschütteln und zu helfen.‹ ›Ihn trifft keine Schuld daran,

Dass das Schicksal mit ihm scherzt.‹ ›Das schlechte Los trägt er beherzt.‹,

Wodurch am Ende jeder glaubte, besser wär’ es, ihn zu meiden.

Maeven stand ihm immer bei, so viel, so oft es möglich war.

Mit Isla doch stand sie allein und konnte ihn nicht immerzu

Begleiten, vor den Blicken schirmen. Dante musste selber handeln.

Dieser aber zweifelte von Tag zu Tag noch mehr und litt.

Natürlich konnt’ er nicht erklären, dass das Haus gesungen hatte,

Als der Wind es rau umfasste. Er wusste nicht, ob’s wirklich war

Oder nur in seinem Kopf. Er wusste auch nicht, was die Verse,

Die im Pferch dem Geist entsprungen, leisten konnten oder nicht.

Er hätte mit Theóphanu über all das reden können,

Doch allein an sie zu denken, schmerzte ihn noch immer sehr

Und er wusste, Ribbalt wollte er sich niemals anvertrau’n.

Es war Nacht und alles schlief schon unterm weiten Sternenzelt.

Der Wind strich lau durchs weite Tal, die Disteln wiegten sich darin,

Der Turm hob schwarz sich ab vom Himmel, der mahnend auf dem Hügel thronte.

Und davor, nur schwer erkennbar, lief ein einz’ger Wanderer

Mit einem Stab und einem Pack beladen auf dem Höhenweg,

Fern der Straße durch das Tal, die zu belebt ihm schien selbst nachts

Wenn er verschwand, um bald vom Rand Ausoniens in dessen Herz

Hinein zu zieh’n; am Gürtel das Buch, das Rätsel war und bleiben wird.

Zeugen gab es nicht, bis auf Gedanken, die ganz ungeseh’n

Am Himmel ihre Bahnen zogen. Beschwingt, mit Klau’n bewehrt und Augen,

Gelben Augen, Raubtierblick, der nachdenklich, doch hungrig nicht

Zusah, wie der Wandrer lief, das Tal derweil friedlich schlief.

Schritte hallten durch die Hügel, Schwingen schlugen mächtig aus.

Ob auf dem Boden, ob in der Luft: ein Schicksal nahm hier seinen Lauf.

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2 Antworten zu „Kapitel 7: Aufbruch“

  1. Avatar von Valeria Politino

    Der arme Dante :(

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    1. Es ist schön, dass er dir leid tut. Er hat es nicht leicht.

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