Hallo zusammen und herzlich willkommen zum letzten Kapitel in diesem Jahr. Ich möchte den Anlasse nutzen und mich bei allen bedanken, die sich bisher angehört und durchgelesen haben, was ich hier so fabriziert habe. Vielmehr aber möchte ich mich für euer Feedback bedanken, die ihr, wann immer ihr mich gesehen habt, auf mich zugekommen seid und mir Mut gemacht habt, mit dem Epos weiter zu machen. Ich hätte nie gedacht, dass meine Dichtung anderen gefallen könnte und Spaß machen würde, wobei es doch immer Dichtung bleibt und nicht allen von vornherein zugänglich ist. Dass ich also etwas tue, woran auch andere Freude haben können, dieses Wissen habe ich euch zu verdanken! Nehmt meinen Dank mit ins neue Jahr, vermacht euch schön mit euren Freunden, am 04.01. geht’s weiter.
Nachdem Sældra einen so furchteinflößenden Gesprächseinstieg gewählt hat, zieht sie etwas versöhnlichere Seiten auf.
»Ich weiß, das schüchtert furchtbar ein und lässt dich fragen, ob ich nicht
Zwiegesichtig bin und du verdammt, auf ewig mir zu dienen,
Bis du von den Knochen fällst und wie ein Wurm im Dreck dich wälzt.«
Dante schluckte schwer und nickte, sein Herzschlag hetzte hoch hinaus.
»Keine Sorge, ich nehme nur ein Blatt nicht vor den Mund, damit
Der andre weiß, woran er ist. Ich möchte ein paar Sachen wissen
Und dir einen Tausch vorschlagen. Ich seh’ dich nämlich bei dir tragen,
Dessen Wert nicht im Geringsten du offenbar zu schätzen weißt.«
Dantes Herzschlag hörte auf, gar wie besessen fort zu hämmern.
Etwas Spannung fiel von seinem Körper ab und fragend zog er
Seine Stirn in Falten, fähig nicht mit Worten grad zu sprechen.
»Beginnen wir mit dieser Rolle, die du bei Borg verkaufen wolltest.«
Dante holte sie aus der Tasche seines Mantels und legte sie
Mitten auf den runden Tisch. Bedeutungsvoll erschien es ihm.
»Weißt du, was das ist?«
»Vokabeln, die ich aber nicht versteh.«
»Vokabeln also. Ja und Nein. Mitnichten hilfreich, oder doch?«,
Fragte sie und zog die Brauen höher, als es möglich schien.
»Natürlich nicht, ich müsste ja, verstehen, welche Sprache das ist!«
»Warum trägst du mit dir rum, was überhaupt nicht hilfreich ist?«
»Ich weiß es nicht. Der Zufall war’s, dass sie in meinem Mantel war,
Als ich letztens ›Turm‹ verließ. Wobei, im Grunde wusst’ ich doch,
Dass sie hilfreich sein wird einst, denn wohl erkannt’ ich ein Wort wieder,
In einem Buch, das Rätsel viel und Fragen mehr mir aufgegeben.«
Er löste das Buch Theóphanus von seinem Gürtel und legte es
Vor sich auf den Tisch. Er war ja sowieso auf ihre Gnade,
Ihre Milde angewiesen, also konnt’ er’s ehrlich halten.
Sældra nahm das Buch vom Tisch und blätterte darin umher.
Verwund’rung, Staunen, Freude, Rührung nahmen nacheinander ihren
Platz in Sældras Zügen ein: »Du sagtest ›Turm‹, war das nicht so?«
Dante nickte.
»Theóphanu…Ist sie dort in ›Turm‹ gewesen?«
Wieder nicken. »Das ändert vieles und macht mir manches nun schon klar.
Das Wort, das du erkanntest, war…«
»…abrogans. Im zweiten Kapitel,
Wovon’s auch immer handeln mag. Doch du, du scheinst mir ja zu wissen,
Welche Bedeutung diese Rolle und all die Worte darin haben.«
Sældra nickte: »Die Rolle ist der ›Abrogans‹, genauer noch:
Ein Fragment davon. Er ist die erste Sammlung von Vokabeln,
Von Wörtern alten Thë-udiskischs, übersetzt ins Nï-etalsch’.
Dort liegt ein Monument der Sprache, wie es bei uns kein zweites gibt.
Ich nehme an, Theóphanu besaß die Rolle vor dir einst?«
Nicken.
»Woher kanntest du, die Hexe von ›Turm‹, die Lehrerin,
Die…«, die Stimme versagte ihm.
»Du brauchst nicht reden. Zwing dich nicht«,
Sprach sie sanft und einen Moment erbebten ihre Lippen gar.
»Ich spürte, als sie von uns ging. Nur zu sagen vermag ich nicht,
Welch tragisch’ Geschick Theóphanu so grausam aus dem Leben riss.
Wir kannten uns aus dem Studium. Wir teilten das Lager in Thé-udisk
Für kurze Zeit und blieben doch einander freundlich zugewandt.«
Sie schwiegen beide und Dante begann zu realisieren, was in ihren Worten
Bedeutendes lag, als Sældra erneut, das Wort ergriff und Dantes Gedanken
Vom Strudel des Geistes auf die Rolle vor ihnen auf dem Tische lenkte.
Ȇberlass mir diese Rolle, denn dahin, wo du nun ziehst,
Brauchst du sie nicht mitzunehmen. Weitaus bess’re Hilfen wirst du
Dort in Thé-udisk bald finden, um das Buch, das sie dir schrieb,
Zu lesen und zu übersetzen.«
»Doch mir scheint, als könnt’st auch du,
Alles mich lehren, des’ ich bedarf, um die Texte im Buch zu versteh’n.«
Nicken.
»Doch ich möchte ihren Willen gerne respektier’n.
Sie will, dass du nach Thé-udisk hinfort ziehst für verlorene Sprachen.
Sie wiederzufinden und neu zu entdecken, dich an sie zu binden und in dir
zu wecken,
Den Rhythmus der Worte in Philologie, das Schaudern der Welten in Mythographie:
Dazu hat sie dich erkoren. Von all dem würdest du geschoren
Die Wolle schon kriegen, blieb’st du bei mir. Doch Schafe sollst du selber finden.«
»Du willst mir sagen, hier hätt’ ich’s leicht und darum soll ich weiterziehen?«
»Thé-udisk kann dieses Haus im Ansatz nicht einmal ersetzen.
Wenn du da bist, wirst du’s seh’n und meine Worte ganz versteh’n.«
»Du sprachst vom Tauschen grade noch. Was kriege ich für meine Rolle,
Lass’ ich sie bei dir zurück?«
»Reichlich werd’ ich dich entlohnen:
Ich gebe dir wichtige Informationen, Reisebekleidung und Proviant.
Nach Thé-udisk kann ich dich weisen. Und dein Mantel: Ich sage dir,
Was es damit auf sich hat, an Zauber nämlich ist er satt.«



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