Dieses Kapitel war wirklich kompliziert bei der Aufnahme. Zumindest habe ich gemerkt, dass schon echt was dazu gehört, den Charakteren verschiedene Stimmen zu geben und gleichzeitig im Metrum zu bleiben. Das Ergebnis ist in Ordnung, aber es gibt eindeutig noch Luft nach oben. Mal ganz von holprigen Versen zu schweigen, die ich dann nachträglich nochmal geändert und eingesprochen habe und von denen es immer noch einige gibt… Ich hoffe, es gefällt euch trotzdem!
Dantes Sturz und seine Worte hatten völlig ohne Müh
In weniger als einer Stunde das ganze Dorf zum Reden gebracht.
Als Dante dann bei sich zuhaus’ im Speisesaal am Hühnchen kaute,
Kamen nach und nach die and’ren aus dem Dorfe auch vorbei,
Um sich zu erkundigen, wie’s ihm ginge oder auch,
Um aus erster Hand zu wissen, was passierte. Spärlich waren
Neuigkeiten, wenn das Dorf fern lag von der Welten Treiben.
Und die Menschen wollten reden und sie nahmen dankbar an,
Wenn auch etwas nur passierte.
Dass Dante sich sehr konzentrierte,
An dem Hühnchen rumzukauen, störte niemanden besonders.
Auch nicht, dass er sich fast nicht beteiligte, um seinen Fall
Vom Dach den and’ren darzulegen.
»›Welches Buch?!‹ hat er gerufen!
Ja ich sag’s euch, wie besessen schlug er auf die Schindeln ein,
Während er das Dach anschrie und der Wind so um ihn pfiff
Und das Haus darunter ächzte. Das habe ich noch NIE geseh’n!«,
Schilderte Serra seinen Fall, der sehr willkomm’ner Anlass war,
Zusammenhänge herzustellen, wo es sicher keine gab:
»Böse Geister suchen ›Turm‹ – sag ich euch – seit neustem heim.«,
Warnte Oven. »Erst der Brand und nun die Bö und Dantes Worte
Auf dem Dach. Der Winter wird schwere Sorgen mit sich bringen.«
»Ach, du schwafelst und siehst Geister, wo’s sie nicht gegeben hat.
Aber unser Dante hier, der scheint mir etwas neben der Spur.
Vielleicht hat er ja ihren Tod, den frühen, einfach nicht verkraftet.«,
Sagte Serra, was sehr schlecht nur von der Hand zu weisen war.
»Und der Brand? Sag, welche Gründe soll’s dafür gegeben haben,
Dass es nötig überhaupt, das Hexenhaus neu einzudecken?!«,
Fragte Oven aufgebracht, wie er Brot in Soße tunkte.
»Das ist ein Hexenhaus, da gibt es vieles, das den Brand erklärte.«,
Schaltete sich Maven ein, Herrin im Haus und Lochlans Frau,
Dantes Mutter, seit mit sieben Jahren er nach ›Turm‹ gekommen.
»Wer weiß, was sie an Medizin gelagert hatte, an Substanzen,
Die miteinander in Kontakt gekommen sind und sich entzündet
Haben, ohne dass ein Wille boshaft drin verwoben war.«
»Herd des Brandes aber schien die Bibliothek gewesen zu sein.«,
Schaltete sich Lochlan ein. »Das erklärt sich nicht so leicht.
Denn dort oben lagerten Bücher, aber keine Medizin,
Stoffe nicht zum Tränke Brauen. Könnte es ein Zauber denn
Gewesen sein? Was sagst denn du, der du Hexer werden wirst?«,
Fragte Lochlan Ribbalt dann, der genau wie Dante schon
Still am Tisch gesessen hatte: »Nun, Magie, das ist die Kunst,
Dass aus Worten Wirklichkeit entsteht und wenn wir ›Feuer‹ sagen,
Dass uns die Idee nicht bloß als Bild im Kopf erscheint, verpufft,
Sondern vor den Augen wirklich auf den Scheiten lodernd flammt.
Unmittelbar das zu bewirken ist schon eine Kunst für sich,
All das nach dem eign’en Tod gescheh’n zu lassen, ja, das ist
Fast unmöglich.«
»Heißt das also , dass der Schutz Theóphanus
Vor dem Fallwind gar nicht mehr besteht und dieses Übel uns
Alsbald überkommen könnte?«, fragte Lochlan, sehr besorgt.
»Möglich wär’s, doch seh’ ich mich im Stande, wenn es nötig ist,
Genauso wie Theóphanu dieses Übel abzuwenden.«,
Sagte er beschwichtigend.
»Gut, dann ist es unabdinglich,
Dass du möglichst morgen gleich, den Berg hinauf gehst. Das ist dringlich.«,
Sagte Lochlan. Ribbalt nickte.
»Und der Brand, der ist noch immer
Rätsel in der Finsternis.«, brummte Oven noch verstimmt.
»Wahrlich. Es beunruhigt mich, dass den Grund wir noch nicht wissen.
Wie sollen wir ein nächstes Mal verhindern, wenn die Ursach’ uns
Im Dunkeln noch verborgen ist?«, sagte Lochlan angespannt.
»Nun, da ich das Hexenhaus bewohnen kann, da Dante mir
Das Dach gedeckt, gerichtet hat, kann ich nun nach Spuren suchen
Und nun täglich drüber wachen, dass es nicht nochmal passiert.«,
Bot sich Ribbalt an.
»Wahrscheinlich wäre es das einfachste.«,
Meinte Lochlan. »Doch dazu, sollten wir in ›Kuppe‹ mal
Nach fremder Leute Kunde fragen. Vielleicht ist jemand durchgekommen,
Der verdächtig auf sie wirkte.«
»Ach, das kann ich gerne auch
Übernehmen, denn ich muss doch sowieso mich blicken lassen,
Da in ›Kuppe‹ keine Hexen und auch Hexer keine leben.«,
Bot sich Ribbalt eifrig an.
»Schaffst du’s in den nächsten Tagen?«,
Fragte Lochlan etwas skeptisch. »Das Haus zu hüten, wird dann schwierig.
Dante könnt’ das übernehmen. Er muss sowieso mal raus.«
»Wie geht’s dem Knaben, der vom Schiefer fiel und auch noch damit sprach?«,
Fragte Quinn, die grad den Saal betrat mit Honig in der Hand
Und verhinderte, dass Dante sich zu Lochlans Vorschlag äußern musste.
»Schweigsam ist er, wohl geschockt.«, sagte Serra. Mitgefühl
Schob sich in die herben Züge.
»Dante, du hast mich erschreckt.
Was zur Demiurgen-Esse ist in deinen Kopf gefahren?
Spukt’s da etwa?«, fragte sie ihn schon besorgt und doch auch keck.
Dante horchte auf, doch blieb die Körperhaltung, sein Gesicht
Äußerlich sehr ungerührt.
»Ach, es war nur einfach heiß
Und ich denke manchmal laut.«, so suchte er sie abzuwiegeln.
»Aber doch nicht zornentbrannt, wenn Winde um die Dächer wehen.«,
Beharrte sie auf ihrem Punk.
»Ja, auch mir scheint’s sehr bedenklich.
Dante, das ist nicht normal. Alle wissen, was mit denen,
Denen’s in den Köpfen spukt, passieren wird. Sie blendet Trug.
Und sie ziehen Pech an sich so wie’s der Kot bei Fliegen tut.
Wehe, wenn uns diese Zeichen alsbald widerfahren werden!
Handelt rasch, denn kein Entrinnen gibt es, ist der Spuk gediehen
Und im Kopfe fest verwurzelt.«, sprach nun Oven, überzeugt,
Dass der Grund für Dantes Sturz gewiss von ihm gefunden war.
»Oven, wahrlich jetzt, es reicht! Dante ist nur durch den Wind
Und trauert um Theóphanu.«, bemühte Maeven sich die Furcht,
Die im Saal sich sammelte, mit knappen Worten zu zerstreu’n,
Als die Tür mit großer Wucht aufgeschlagen ward und Èrin
Keuchend dort im Eingang stand: »Lochlan! Ribbalt! Schnell! Es eilt!
Die Schafe wurden aufgeschreckt und etwas trieb sie aus dem Pferch!
Wolfsgeheul in der Nacht!«
Es wurde nicht gefragt, gedacht,
Verweilt oder gar gezaudert. Getrampelt wurde, geflucht, geschaudert,
Bögen von der Wand genommen. Dante merkte nur verschwommen,
Was passierte, denn ein Schwindel plagte seinen Kopf und flugs
Lag er auf der Bank und alles kreiste nur um ihn herum.
Maeven war schon da bei ihm, doch alle and’ren hasteten,
Um die Schafe einzufangen, die Wolle für den kalten Winter
Den Wölfen aus den Klau’n zu reißen. Dante stöhnte. Ovens Zeichen
Zeigten sich viel schneller als die Fliegen Kot erspähten. Falls
Es spukt im Kopf, so spukt’s im Leben, wo Worte ihre Stricke weben.



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